Revitalisierung der ländlichen Räume – schöne Aussichten
für strukturschwache Regionen?

Zoritza Kiresiewa, Holger Gerdes

Auf Basis regional vorhandener Ressourcen biobasierte Geschäftsmodelle zu entwickeln, neue Arbeitsplätze und wirtschaftliches Wachstum zu generieren und gleichzeitig durch eine effiziente und umweltschonende Ressourcennutzung zu mehr Klima- und Umweltschutz beizutragen, ist für strukturschwache Regionen in Südost- und Osteuropa eine vielversprechende Perspektive. Im Vordergrund steht die Hoffnung, dass die Bioökonomie eine Chance eröffnet, den anhaltenden Abwanderungstrend zu stoppen. Viele Regionen in Südost- und Osteuropa verfügen über ein großes und bisher ungenutztes Potenzial für die Entwicklung der Bioökonomie: Sie sind reich an biologischen Ressourcen, traditionellem Wissen und Erfahrung in den Bereichen Landwirtschaft, Gartenbau, Nutzung von medizinischen Kräutern u.a. Dennoch können viele Regionen Südost- und Osteuropas bisher nur langsam neue wirtschaftliche, soziale und ökologische Vorteile durch die Entwicklung der Bioökonomie generieren.

Die Bioökonomie ist mit zahlreichen Zielkonflikten assoziiert; nicht zuletzt, weil sie die ambitionierte Aufgabe hat, Wirtschaftswachstum mit Umwelt- und Naturschutz in Einklang bringen. Grundsätzlich ist sie als holistisches Konzept nur mit einem gesellschaftlichen Wandel in Richtung Nachhaltigkeit umsetzbar. An diesem Wandel müssen alle Gruppen der Gesellschaft teilhaben. Doch angesichts der zentralisierten Regierungsstruktur in den meisten südost- und osteuropäischen Ländern werden politische Entscheidungen hauptsächlich auf nationaler Ebene getroffen und die Fähigkeit der regionalen Behörden, Bottom-up-Ansätze umzusetzen und die nationale Politik zu beeinflussen, ist recht begrenzt. Ferner ist das Konzept der Bioökonomie nach wie vor weitgehend unbekannt; das trifft gleichermaßen für die breite Öffentlichkeit sowie für Schlüsselakteur*innen aus Industrie, Wissenschaft und Politik zu.

Ohne einen demokratischen Prozess sowie eine Beteiligung von Akteur*innen und Bürger*innen bei der Entwicklung regionaler Bioökonomie-Strategien bleibt die Revitalisierung der ländlichen Räume auf Basis biobasierter Produkte und Prozesse eine ungenutzte Chance.


Dr. Zoritza Kiresiewa arbeitet als Fellow in den Bereichen Bioökonomie und nachhaltige Entwicklung am Ecologic Institut. Ihr besonderes Forschungsinteresse gilt der Frage, inwieweit die Bioökonomie zu einer weltweiten Ernährungssicherung und einer nachhaltigen Nutzung von Ressourcen beitragen kann.

Holger Gerdes ist Senior Fellow am Ecologic Institut und koordiniert den Bereich Bioökonomie. Der Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf der Erforschung und Umsetzung partizipativer Instrumente für ein nachhaltiges Management natürlicher Ressourcen im Rahmen der entstehenden Bioökonomie.